Universitätssiegel
Projekt
Förderung: in Antragstellung
Antragsteller: HCA-Professoren
 
Mitarbeitende
 
Shifting Meridians Poster
 

Forschungsprojekt

Graduiertenkolleg: Autorität und Vertrauen in der Amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Geschichte und Politik (Authority and Trust in American Culture, Society, History, and Politics).

Das Heidelberg Center for American Studies (HCA) hat unter der Beteiligung der Geographie ein neues Graduiertenkolleg auf dem Gebiet der interdisziplinären Amerika-Studien eingeworben: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat dafür Fördermittel in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro bewilligt. Das Kolleg zum Thema Autorität und Vertrauen in der Amerikanischen Kultur, Gesellschaft, Geschichte und Politik ist am Heidelberg Center for American Studies (HCA) angesiedelt und wird von zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Geographie, der Geschichte und der Religionsgeschichte, den Literatur- und Sprachwissenschaften sowie der Politikwissenschaft getragen. Darüber hinaus werden assoziierte Forscher aus Deutschland, Europa und den USA beteiligt sein. Für die erste Förderperiode von viereinhalb Jahren, die zum Oktober 2017 beginnt, sind zwei Ausbildungsrunden mit jeweils zehn Doktorandinnen und Doktoranden, sechs Forschungsstudierenden und einer Postdoktorandenstelle vorgesehen.

Bewerbungsschluss: 15. März 2017
Förderungsbeginn 1. Kohorte: Oktober 2017
Link zum GKAT [hier]

Shifting Meridians Theorie

Projektskizze Geographie

Autoritätsverschiebungen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft schlagen sich deutlich in der Produktion von Räumen nieder. Augenmerk wird hier auf den urbanen Raum gelenkt, stellt dieser spätestens seit dem Wandel vom Fordismus zur Postfordismus den zentralen Ort gesellschaftlicher Konflikte, die sich durch Vertrauensverluste oder Autoritätsverschiebungen zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ergeben, dar. Verstanden wird dieser demnach nicht als ein räumlich abgrenzbarer Gegenstand, sondern als Produkt sozialer und kultureller Praktiken, die durch die verschiedenen Akteure, die mit unterschiedlicher Macht ausgestattet sind, getätigt werden. Der urbane Raum spiegelt somit die Machtverhältnisse wieder, zudem bedingt und reproduziert er diese durch bestimmte räumliche und soziale Konstellationen bzw. Entwicklungen (z.B. Ausbildung segregierter Nachbarschaften, Gentrifizierungsprozesse, Privatisierung oder Kriminalisierung öffentlicher Räume). Zugleich stellt er ein Medium der Repräsentation dar (z.B. gated communities, corporate development communities).

Shifting Meridians Topoi

Der staatlichen Autorität kommt eine besondere Verantwortung für die Stadtentwicklung zu. Durch den kontinuierlichen Rückzug des Staates als Stadtentwickler – begleitet durch ökonomischen Strukturwandel und globale wirtschaftliche Verschiebungen – kann Stadtentwicklung nicht mehr als Ausdruck lokaler oder nationaler staatlicher Politiken verstanden werden, sondern ist dem Kräftefeld des neoliberalen Marktes überlassen. Statt staatlicher Fürsorge für eine sozial verträgliche Stadtentwicklung hat der Staat die Rolle des Regulators übernommen, der für Sicherheit und Ordnung sorgt. Dies äußert sich in einer Segmentierung des Stadtraumes in Teilräume, die nur wenig Zusammenhalt besitzen – also durch ein extremes Maß an Vertrauensverlust gekennzeichnet sind. Die Identität mit der Stadt oder besser: die symbolische Kraft dieser Stadt besitzt kaum noch Mächtigkeit, sie ist zu einer leeren Metapher geworden, da das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger in der Stadt verloren gegangen ist.
Gleichzeitig kann –als Ersatz für den Verlust von staatlicher Autorität in der Stadtentwicklung (Wacquant 2007) – ein Erstarken der Bedeutung von Bürgerbeteiligung beobachtet werden. So wird nicht nur in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ein Recht auf Stadt, im Sinne von Lefebvre (1968) diskutiert, auch in den alltäglichen Praktiken der Bewohner verbergen sich zunehmend Taktiken (de Certeau 1988), die dieses Recht auf Einfluss und Teilhabe an sämtlichen Bereichen der neoliberalen Stadt einfordern (Leitner et al. 2007). Das Konzept der Urban Citizenship hilft hierbei, da es staatsbürgerschaftliche Rechte (und Pflichten) in der globalen Gesellschaft nicht mehr nur auf staatlicher Ebene definiert, sondern verschiedene Maßstabsebenen bis zur Stadt als wesentlich erkennt und soziale und kulturelle Praktiken für die Definition von Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft heranzieht (Isin 2002).
Damit ergeben sich im Stadtraum Autoritätsverschiebungen, die durch neue Vertrauenskonstellationen ersetzt und weiter entwickelt werden. Sie lassen sich in unterschiedlichen Projekten im Rahmen des interdisziplinär angelegten Forschungskollegs untersuchen.

Beiteiligte Projektpartner: Prof. Dr. Manfred Berg (Historisches Seminar und Heidelberg Center for American Studies (HCA)), Prof. Dr. Sebastian Harnisch (Institut für Politische Wissenschaft), Prof. Dr. Günter Leypoldt (Anglistisches Seminar und HCA), Prof. Dr. Dietmar Schloss (Anglistisches Seminar und HCA), Prof. Dr. Jan Stievermann (Wissenschaftlich-Theologisches Seminar und HCA)

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 12.03.2017
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