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Forschungsprojekt

Food-Praktiken

Food-practices and Spatial Constitutions of Convenience Stores in Impoverished US American Urban Neighborhoods

Du bist, was du isst sagt man sprichwörtlich. Jeder Mensch isst, doch jeder Mensch isst anders – andere Produkte, auf unterschiedliche Art und Weise, verschieden zubereitet, teilweise mit Bräuchen und Sitten verbunden. Essen gilt als ein Ausdruck der eigenen Identität. Diese Handlungen in Verbindungen mit Essen werden als food-Praktiken bezeichnet. Doch welche Identitätszuschreibungen verbergen sich dahinter, wenn Menschen sich vermeintlich ausschließlich von Fertigprodukten aus dem Convenience Store (vergleichbar mit Tankstellenshops, Spätis, Trinkhallen, Kioske, auch als Liquor Store oder Party Store bezeichnet) ernähren und zudem in einem Armutsquartier einer US-amerikanischen Großstadt wohnen, in denen der Zugang zu Supermärkten gravierend schlechter ist als in wohlhabenderen Stadtteilen? Grundsätzlich besteht in den USA ein Überangebot an Convenience Stores, die vornehmlich Snacks, Fertigprodukte, Tabakwaren und Alkohol anbieten und eine nicht unerhebliche Funktion als Lebensmittelversorger ganzer Stadtviertel besitzen.

In den food-Praktiken zeigt sich demnach eine räumliche Dimension, die zum einen auf der strukturellen Situation in diesen Nachbarschaften basiert und damit die Convenience Stores als wichtigste Lebensmittelversorger hervorhebt, zum anderen auf Raumkonstituierungen beruht, in denen deutlich wird, welchen Stellenwert Stadtbewohnerinnen und –bewohner als Kunden, Nachbarn oder Angestellte den Convenience Stores zuschreiben: sie nutzen diesen Ort als alltäglichen Referenzpunkt und erweitern damit den Aspekt der Lebensmittelversorgung um weitere Bedeutungen. Weiterhin muss die genannte Unterversorgung an Supermärkten bzw. die Überversorgung mit Convenience Stores insbesondere in Armutsquartieren mit einer vorwiegend Afro-Amerikanischer Bewohnerschaft berücksichtigt werden. Dieses Ungleichgewicht korreliert eben nicht nur mit sozio-ökonomischen Indikatoren, sondern auch mit ethnischer Zugehörigkeit. Mit Hilfe einer intersektionalen Perspektive können diese verschiedenen Dimensionen von Ungleichheit (race, class und gender) betrachtet werden.

Insofern sucht die Dissertation nach der Verknüpfung von Food-Praktiken im räumlichen Kontext mit der Praktik der Raumkonstituierung von Convenience Stores. Raumkonstituierungen werden als ein Prozess verstanden, der in Verbindung mit Handlungen zu Subjekten zu verstehen ist und damit praxelogischen Theorien folgt. Mit Praktiken sind Handlungen gemeint, die in einem zeitlichen und räumlichen Kontext ausgeführt werden. Sie sind in einem historischen und kulturellen Kontext, also in das Soziale, eingebettet, und von Regularien und Normen eingerahmt. Empirisch ist das Projekt in einem ethnographischen Forschungsdesign angelegt. Es beinhaltet neben intensiven, mehrwöchigen Beobachtungen von einzelnen Geschäften in ausgewählten Nachbarschaften der Detroit Eastside und der Chicago Southside verschiedene Formen von Interviews sowie die Teilnahme an und die Selbsterfahrung von Food-Praktiken der BewohnerInnen. Was wird zu welchem Zeitpunkt eingekauft und in welchem räumlichen, sozio-ökonomischen und zeitlichen Kontext wird das erworbene Produkt konsumiert? Welche Praktiken verbinden die KonsumentInnen mit dem Kauf der Fertigprodukte? Inwiefern stehen diese in Verbindung mit der Unterversorgung durch Supermärkte in amerikanischen Armutsquartieren? Welche weiteren sozialen Funktionen – z.B. als Sammelpunkt eines informellen Taxisystems, als Kreditgeber oder als Anbieter von Glücksspielen – erfüllt ein Convenience Store in unterversorgten Nachbarschaften?

Mit diesen Untersuchungsfragen wird versucht, Theorien über soziale Ungleichheiten in amerikanischen Armutsquartieren in Bezug auf Afro-AmerikanerInnen von einer besonderen, auf den Alltag der BewohnerInnen ausgerichteten Perspektive zu analysieren und somit um neue Aspekte einer kritischen Raumforschung zu erweitern.

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 25.08.2017
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