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Terra X (ZDF) vom 27.12.2009
 

Forschungsprojekt

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Anden-Transekt – Klimasensitivität präkolumbischer Mensch-Umwelt-Systeme, Teilvorhaben: Klima- und Umweltgeschichte

Gesamtziel des Vorhabens

Ziel des Projekts ist, die holozäne Umweltentwicklung in einem Transekt durch die Westseite der peruanischen Anden zwischen Pazifikküste und dem Westrand des Altiplano zu rekonstruieren (s. Abb. 1). In einem Projektverbund gilt es die Frage zu beantworten, wie menschliche Gesellschaften in vorspanischer Zeit in diesem Raum naturbedingte Umbruchsituationen bewältigten, ob damit schubartig die Kulturentwicklung beschleunigt wurde und wie daraus neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens hervorgingen.

Hierfür kommen modernste naturwissenschaftliche Methoden zur Anwendung. Die naturwissenschaftlichen Datensätze der Teilprojekte Klima- und Umweltgeschichte und Isotopenanalyse werden eng mit den Ergebnissen der Teilprojekte Archäologie und Paläogenetik verknüpft.

Der Projektverbund setzt sich wie folgt zusammen:

  • Klima- und Umweltgeschichte – Geographisches Institut / Physische Geographie, Universität Heidelberg, Prof. Dr. Bernhard Eitel, Dr. Bertil Mächtle und Dipl.-Geogr. Markus Forbriger in Zusammenarbeit mit
    • Prof. Dr. Frank Schäbitz, Seminar für Geographie und ihre Didaktik, Universität Köln – Palynologie
    • Dr. Bernd Kromer, Forschungsstelle Radiometrie, Heidelberger Akademie der Wissenschaften – 14C-Datierung
  • Archäologie – Deutsches Archäologisches Institut – Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen KAAK, Dr. Markus Reindel)
  • Isotopenanalyse – Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, München, Prof. Dr. Stefan Hölzl
  • Paläogenetik – Institut für Zoologie und Anthropologie Universität Göttingen, Prof. Dr. Bernd Herrmann

Die modellartigen naturräumlichen Rahmenbedingungen in Westperu, wo sich die gesellschaftlichen Umbrüche vollzogen haben, lassen grundsätzliche Erkenntnisse für das Verständnis menschlicher bzw. gesellschaftlicher Entwicklung erwarten. Die retrospektivische Forschung zu dieser Frage wird zum Verständnis der gesellschaftlichen Reaktionen/Adaptionen auf den gegenwärtigen Klimawandel beitragen – eine der spannendsten Fragen, die das Forschungsfeld derzeit bietet.

Untersuchungsgebiet des Anden-Transektes

Abb. 1: Das Untersuchungsgebiet des Anden-Transektes an der Westseite der Anden, welches die Atacama-Wüste, den Andenfuß und das Hochland am Westrand des Altiplano quert. Dargestellt sind die Teilregionen mit Basisstationen für die Geländearbeiten

Ausgangshypothese

Der Transekt durch die Westlichen Zentralanden (Südperu) quert auf kurzer Distanz von der Atacama-Wüste bis an den Westrand der hochandinen Puna (Abb. 2) sehr unterschiedliche Naturräume. Nach der Ausgangshypothese führten hygrische Fluktuationen im Wechselspiel der Ausnutzung unterschiedlicher Ressourcen und verschiedener Anpassungsstrategien zur allmählichen Sesshaftwerdung nomadisierender Gruppen und zur Entstehung komplexer Gesellschaften. Die Migration zwischen verschieden feuchten Naturräumen unter wechselnden Umweltbedingungen bildete ein wichtiges Element im Prozess der Entwicklung komplexer Gesellschaftsformen. Ein Zeugnis der kulturellen Entwicklung sind die weit verbreiteten, heute aufgegebenen Terrassen im Bereich der Andenwestabdachung (Abb. 3).

Punalandschaft

Abb. 2: Andine Punalandschaft nördlich von Laramate

Siedlungsterrassen

Abb. 3: Verfallene Siedlungsterrassen bei Laramate

Zielsetzung im Teilvorhaben Klima- und Umweltgeschichte
Mitarbeiter an einem Profilschnitt

Abb. 4: Mächtige Torfablagerungen in der Anden-Westkordillere – ein wichtiges Paläoumweltarchiv

Bisherige Arbeiten

Im September 2007 wurde ein Survey in die obersten Täler des Andentransekts unternommen, um die Geoarchive zu erkunden und um die Durchführbarkeit des Vorhabens zu klären bzw. die Erfolgsaussichten abzuschätzen. Die Transekt-Abschnitte an der Küste und im Andenvorland sind durch die Vorarbeiten im Projekt Geomorphologisch-bodenkundliche Untersuchungen zur Rekonstruktion der Klima- und Landschaftsentwicklung im Umfeld der ehemaligen Siedlungsflächen der Nazca-Kultur, Peru (2002-2007) bekannt. Neben Glatthängen sind in den Talköpfen in der Westkordillere vor allem Torfe und Moore aufgefallen, die zeitlich hoch auflösende Geoarchive darstellen (Abb. 4). Damit stehen im gesamten Transekt hervorragende, voneinander genetisch unabhängige Geoarchivtypen zur Verfügung, die eine Vielzahl sich gegenseitig ergänzender Daten liefern werden.

Förderung

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderprogramms Wechselwirkung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften finanziert.

Medienberichterstattung
  • Keine antike Raketenrampe – Archäologe entschlüsselt das Geheimnis der Geoglyphen von Nasca (24 min.) – DLF Studiozeit, 10.9.2009, Autorin: Barbara Weber
  • Tatort Peru – im Bann der Nasca-Linien (50 min.) – ARTE 28.11.2009, Autor: Michael Kaschner
  • TerraX: Tatort Peru – im Bann der Nasca-Linien (45 min.) – ZDF 27.12.2009, Autor: Michael Kaschner

Kontakt: bertil.maechtle@geog.uni-heidelberg.de

Seitenbearbeiter: Webmaster-Team
Letzte Änderung: 08.07.2015
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